Second-Hand Läden – das waren noch vor ein paar Jahren meistens nur sehr ungern und im Geheimen besuchte Geschäfte. Auf jeden Fall brüstete sich bestimmt niemand damit, dass er viel Zeit damit verbringe, dort einzukaufen.
Lieber wollte man neue Klamotten, das war angesehener und man fühlte sich wohler.

Doch das ändert sich mehr und mehr: als wahrscheinlich erster umweltfreundlicher Trend aus den USA verbreitet sich nun auch hierzulande die Popularität des „Thrift Shoppings“, also des Einkaufens in reinen Second-Hand Läden. Auf Youtube und anderen Sozialen Netzwerken laden Influencer stolz „Thrift Hauls“ hoch, in denen sie die begehrenswerten Second-Hand Schnäppchen zur Schau stellen, die sie ergattert haben.

Doch nicht nur um dem Trend zu folgen und Geld zu sparen, sollte man sich ernsthaft überlegen, auf Gebrauchtkauf bei Klamotten, Möbeln, Handys und anderen Alltagsgegenständen umzusteigen – sondern auch weil es ein einfacher Schritt ist, mehr Nachhaltigkeit ins eigene Leben zu bringen.

  • In einem von Angebot und Nachfrage geleiteten Markt haben die Konsumenten mehr Macht, als sie realisieren. Für den Erhalt der Umwelt ist auf jeden Fall katastrophal, wenn so viele Menschen ihre Gelder in Firmen stecken, die bei der Herstellung ihrer Produkte auf Massenproduktion setzen. Die günstigen Preise dieser Firmen kommen nämlich nicht von irgendwoher, sondern sind Resultat der Verwendung vieler synthetischer Materialien und Chemikalien bei der Produktion und der Ausnutzung der Arbeitskräfte in Billiglohnländern.

Das dies für die meisten Menschen keine neuen Informationen sind, ist mir bewusst. Doch leider realisieren viele nicht, dass sie eine andere Option haben, als nur mit den Schultern zu zucken und sich zu sagen, dass da eben nichts zu machen sei.
  • Durch bewusste Wahl beim Kauf von Verbrauchsgegenständen kann mehr erreicht werden, als man denkt. Sicher ist es schon ein Fortschritt, auf billige Massenware zu verzichten und stattdessen beispielsweise auf „Slow-Fashion“, also nachhaltige Modemarken, und handgemachte Möbelstücke zu setzen. Doch außer dem meist hohen Preis solcher Produkte haben gebrauchte Artikel weitere Vorteile.

Warum Gebrauchtes kaufen?

Lass uns ein paar Fakten aus der Kleidungsindustrie betrachten, wo der Überfluss an Artikeln bei den meisten Deutschen am Höchsten ist: durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke kaufen wir pro Jahr, davon werden fast 40 Prozent sehr selten oder nie getragen.

Selbst Modemarken, die von Institutionen wie beispielsweise „Rank A Brand“ gute Bewertungen erhalten, tragen zur Verschmutzung der Umwelt bei, und selbst bei der Produktion eines T-Shirts einer Öko-Marke kann diese nicht vermieden werden.

So werden beispielsweise für die Herstellung eines einzigen Baumwoll-Shirts 22,500 Liter Wasser benötigt, sowie acht bis neun Kilo CO2.

  • Um diese enorme Umweltbelastung zu reduzieren, ist es sinnvoll, Kleidung zu kaufen, welche sonst entsorgt werden würde. So verringert man den Müllbestand, der auch in Deutschland bei Textilien riesig ist (ca. 20kg Textilmüll pro Jahr produziert der durchschnittliche Europäer).

Außerdem wird die Nachfrage nach neuer Kleidung verringert und man verhindert, dass die Produktion dieser Artikel weiter angeregt wird. Damit es zu einer effektiven Veränderung für die Umweltbilanz kommt, müssen natürlich möglichst viele Verbraucher so handeln.

Ich sehe dies als das Mindeste, das wir in unserer privilegierten Position als Bürger einer wohlhabenden, aber bisher extrem verschwenderischen Industrienation für den Erhalt der Natur tun können.

Also, worauf wartest du?

Versuche, bewusster einzukaufen und dich auch mal an gebrauchten Artikeln zu wagen!

Von Kleidern über Möbel und Bücher haben viele Second-Hand Läden eine große Auswahl an diesen. Außerdem ist es so leicht wie nie zuvor, im Internet gezielt nach bestimmten gebrauchten Gegenständen zu suchen.

Bei einigen Produkten ist es auch sinnvoll, eine Gewohnheit daraus zu machen, mehr zu verleihen, tauschen, verkaufen oder verschenken.

Außerdem ist es wichtig, sich statt blindem Konsumwahn Achtsamkeit anzugewöhnen und sich stets die Frage zu stellen: brauche ich das wirklich?